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Warum man keine Pflaster benutzen sollte: Wie Etiketten und Gewebepflaster über Leinwandrissen zu Verformungen führen

Wenn Sie einmal Pech haben und aus Versehen gegen ein Leinwandgemälde stoßen und ein Riss entsteht, kleben Sie keinen Flicken oder Pflaster auf. Löcher und Risse in gespannten Leinwänden können auftreten, und Gewebepflaster können wie eine einfache Reparatur erscheinen, werden aber nicht empfohlen. Ebenso ist das Anbringen von Etiketten mit Informationen über das Gemälde auf der Rückseite im Allgemeinen eine gute Praxis, aber das Etikett sollte nicht auf die Leinwand selbst geklebt werden.

Verformungen

Der Grund, warum Gewebepflaster und Etiketten einfach keine gute Idee sind, ist die planare Deformation/Verformung. Planar bedeutet einfach eine ebene Fläche und auf Leinwandgemälde übertragen beziehen sich planare Deformation auf Verformungen wie Wölbungen oder Plateaus. Diese sind eine häufige Folge des Aufklebens von Gewebepflastern oder Etiketten auf die Rückseite von Leinwänden. Ihre Umrisse können als Verformungen auf der Vorderseite des Gemäldes sichtbar werden und so die Ästhetik eines Werkes stören.

Verschiedene Klebstoffe:

Pflaster sind nie eine gute Lösung, aber eine der schlechtesten Entscheidungen für einen Klebstoff wären Tierleime wie Hautleim oder Fischleim. Tierische Klebstoffe werden wegen ihrer straffenden Wirkung sehr geschätzt, wenn sie als Vorleimung für die Leinwandvorbereitung verwendet werden, aber dieser Effekt begünstigt planare Leinwanddeformierungen, wenn sie für Pflaster verwendet werden (Abb. 1). Darüber hinaus sind tierische Klebstoffe extrem hygroskopisch und führen dazu, dass die Leinwandfasern bei steigenden und sinkenden Temperatur- und Feuchtigkeitswerten quellen und schrumpfen, was das Problem noch verschärft. Im Vergleich zu unserem Test mit tierischem Leim (Hasenleim) verursachte Acrylmedien (Soft Gel Gloss) weniger planare Verformung (Abb. 2), und unser Test mit mikrokristallinem Wachs verursachte ebenfalls weniger Verformungen als der tierische Leim (Bild 3).

Patch adhered with Rabbit Skin Glue on cotton canvas, 2 weeks old.

Abb. 1: Gewebepflaster mit Hasenleim auf Baumwollleinwand geklebt, 2 Wochen alt. Das linke Bild zeigt die Vorderseite der Leinwand (mit Black Gesso beschichtet) im Streiflicht, wodurch die durch das Pflaster verursachten Verformungen deutlich sichtbar werden. Die rechte zeigt das Pflaster auf der Rückseite im regulären Tageslicht.

Patch, adhered with Soft Gel gloss on cotton canvas, 1 year old.

Abb. 2: Mit Soft Gel Gloss aufgeklebtes Pflaster auf Baumwollleinwand, 1 Jahr alt. Das linke Bild zeigt die Vorderseite der Leinwand (mit schwarzem Gesso beschichtet) im Streiflicht, während das rechte Bild das Pflaster auf der Rückseite im Tageslicht zeigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 3: Pflaster, das mit Lascaux-Klebewachs (mikrokristallines Wachs und Polyterpenharz) auf eine mit schwarzem Gesso beschichtete Baumwollleinwand geklebt wurde, 2 Wochen alt. Die linke Seite zeigt die Vorderseite der mit Gesso beschichteten Leinwand im Streiflicht, während die rechte Seite den Fleck auf der Rückseite im Tageslicht zeigt.

Grundierung und Farbschichten:

Verzerrungen können unabhängig von der Art der Grundierung und der Farbschichten auftreten. Wir testeten eine Baumwollleinwand, die mit Acrylic Gesso präpariert und mit einer Reihe von Schichten Fluid Acrylics bemalt wurde (Abb. 4), sowie eine Leinwand aus Leinen, die auf traditionelle Weise mit Hasenleim und Williamsburg Ölgrundierung präpariert wurde (Abb. 5 & 6). Von den beiden Pflastern auf Leinen verursachte das Pflaster, das mit tierischem Leim geklebt wurde, wiederum größere planare Verformungen, was in den Streiflichtbildern zu sichtbar ist.

RSG on painted cotton canvas 2 weeks old

Abb. 4: Pflaster, das mit Hasenleim auf eine bemalte Baumwollleinwand geklebt wurde, 2 Wochen alt. Die Leinwand ist auf der Vorderseite mit 10 Schichten Acrylfarbe und Acrylmedium bemalt. Das linke Bild zeigt wieder die Vorderseite im Streiflicht und das rechte Bild zeigt das Pflaster auf der Rückseite im Tageslicht.

RSG on TiO2 linen canvas 2 weeks old

Abb. 5: Mit Kaninchenhautleim auf eine Leinen geklebtes Pflaster, grundiert mit Titanium White Oil Ground, 2 Wochen alt.

Patch adhered with Soft Gel Glosss on linen canvas, primed with Titanium White Oil Ground, 2 weeks old.

Abb. 6: Mit Soft Gel Gloss auf Leinen geklebtes Pflaster auf Leinwand, grundiert mit Titanium White Oil Ground, 2 Wochen alt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Synthetische Leinwand vs. Naturfaser-Leinwand:

Pflaster auf synthetischer Leinwand können genauso starke Verformungen verursachen, wie auf Naturfaser-Leinwand. In unseren Tests haben wir zwei Pflaster auf eine Polyester-Leinwand aufgebracht. Für ein Pflaster verwendeten wir Hasenleim (Bild 7) und für das andere Soft Gel Gloss (Bild 8). Das mit dem Soft Gel verklebte Pflaster verursachte deutlich weniger Verformungen.

Abb. 8: Pflaster aufgeklebt mit Soft Gel Gloss auf Polyesterleinwand, 2 Wochen alt.

Abb. 7: Pflaster aufgeklebt mit Hasenleim auf Polyesterleinwand, 2 Wochen alt.

 

Kanten ausfransen:

Das Ausfransen der Ränder eines Pflasters kann theoretisch dazu beitragen, Verformungen zu reduzieren, aber ich habe viele Pflaster auf alten Gemälden mit erheblichen Deformationen gesehen, trotz ausgefranster Ränder. Die Idee besteht darin, einen allmählichen Übergang der Spannungen vom Pflaster nach außen, in den Rest des Gemäldes zu schaffen, so dass die Umrisse des Pflasters sich nicht zur Vorderseite übertragen würden. Wenn die Pflaster jedoch aus ausreichend dicken und steifen Materialien bestehen und der Klebstoff dick aufgetragen wird, verhindert das Ausfransen der Pflasterränder die planare Verformungen nicht, wie in Abb. 9 und in Abb. 4 zu sehen ist.

old patch on oil painting on linen canvas

Abb. 9: Mit Bienenwachs augeklebtes altes Gewebepflaster auf einem Ölgemälde auf Leinen aus dem späten 19. Jahrhundert.

Alles oder nichts:

Nichts sollte auf die Rückseite eines Gemäldes geklebt werden, es sei denn, es bedeckt die gesamte Fläche, einschließlich der Fläche unter den Keilrahmen. Das Aussparen dieser Fläche kann zu Verzerrungen führen, wie sie auch bei Gewebepflastern auftreten können (Abb. 10).

A huge patch on oil painting on linen canvas.

Bild 10: Ein riesiges Pflaster auf einem Ölgemälde, das eine planare Verformung auf der Vorderseite des Gemäldes verursacht. Die linke Seite zeigt ein Detail der linken unteren Ecke dieses Gemäldes aus dem frühen 20 Jhd.

Erwarten Sie Updates zu unseren Tests:

Auch wenn Verformungen nicht sofort (stark) bemerkbar sind, können sie sich mit der Zeit entwickeln. Wir planen, die gleichen Leinwände in einem Jahr erneut zu beurteilen und zu fotografieren und die Ergebnisse in diesem Artikel zu veröffentlichen.

Empfehlungen:

  • Informationsetiketten auf der Rückseite eines Gemäldes können künftigen Sammlern oder Restauratoren wertvolle Informationen liefern. Diese Etiketten könnten nicht nur das Datum des Beginns und der Fertigstellung des Gemäldes aufführen, sondern auch die verwendeten Materialien und deren Schichtung, insbesondere des Schlussfirnis. Solche Etiketten können auf der Rückseite von Keilrahmen befestigt werden, oder die Informationen können mit dauerhaften und lichtechten Stiften direkt auf dem Keilrahmen, aber nicht auf die Leinwand selbst geschrieben werden. Direkt auf die Rückseite einer Leinwand zu schreiben, ist nicht empfehlenswert, da die Tinte von Markern oder Stiften mit der Zeit nach vorne migrieren und der spitze Druck eines Bleistifts Schlagschäden verursachen könnte.
  • Verwenden Sie Rückseitenschutz, um das Risiko von Stanzlöchern und Rissen in Ihren Leinwandgemälden deutlich zu verringern. Informationsetiketten können anstelle von Keilrahmen auch auf Rückseitenkarton angebracht werden. Weitere Informationen über Rückenkarton finden Sie in unserem Artikel Rückseitenschutz für Leinwandgemälde.
  • Falls Sie erwägen, ein Gemälde mit einem Riss oder einem Loch, selbst zu behandeln und Sie haben das Bild selbst gemalt, dann können Sie sich gerne an unsere Material- und Anwendungsspezialisten wenden, um individuellen Rat zu erhalten.
  • Wenn Sie ein beschädigtes Gemälde von einem anderem Künstler haben, oder das Gemälde ist Ihr eigenes Werk, allerdings bereits verkauft, ist unser Rat, einen Restaurator zu finden. Gemälderestauratoren sind darin geschult, Risse zu reparieren und Einlegearbeiten vorzunehmen, was eine viel sicherere Methode zur Behandlung solcher Schäden darstellt. Restauratoren sind auch besser in der Lage, Gewebepflaster zu entfernen und Verformungen zu korrigieren oder andere geeignete Behandlungen für Ihr Gemälde zu finden, obwohl nicht alle Pflaster reversibel sind. Sie können die Website des Verband der Restauratoren nutzen um Restauratoren in Ihrer Nähe zu finden.

Wie immer, wenn Sie irgendwelche Bedenken oder Fragen haben, können Sie uns telefonisch oder per E-Mail kontaktieren.

Weiterführende Links:

 

 

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