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Tipps und Tricks zum Firnissen

Mirjam Hintz completed her MA and Professional Doctorate studies in Conservation with a focus on painting from the University of Amsterdam. She is the newest member of our Materials and Applications Department, providing technical and product support for Golden Artist Colors in Europe. She lives in Frankfurt Germany.

Firnissen kann eine beängstigende Aufgabe sein währenddessen viel schief gehen kann. In diesem Artikel werden nützliche Tipps und Tricks zum Firnissen beschrieben, die ich während meiner Ausbildung zum Gemälderestaurator gelernt habe. Indem ich diese teile, hoffe ich, einigen Künstlern dabei zu helfen, Missgeschicke zu vermeiden, und vielleicht sogar Künstler zu ermutigen, alternative Applikationsmethoden auszuprobieren, die subtile Glanzunterschiede hervorrufen können. Das Aufsprühen von Firnissen wird in diesem Artikel nicht behandelt, wird aber Gegenstand eines zukünftigen Beitrags sein.

FIRNISSEN – JA ODER NEIN?

Kurz gesagt, das Firnissen ist meist eine ästhetische Entscheidung. Firnis gleicht Glanz aus, sättigt Farben und bestimmt den endgültigen Glanz eines Gemäldes. Darüber hinaus schützt es die Firnisschicht vor Staub, Luftverschmutzung und Abrieb bei der Oberflächenreinigung. Enthält der Firnis UV-Lichtschutzmittel, schützt es die Malschichten vor lichtbedingten Farbveränderungen. Einige Gemälde profitieren von einem Firnis, während andere negativ beeinflusst werden. Gemälde, die von dem Zusammenspiel nuancierter Glanzunterschiede leben, sollten nicht firnisst werden. Bevor man sich für einen Firnis entscheidet, sollte man sich über die folgenden Fragen im Klaren sein:

  • Ist das Gemälde wirklich fertig?
  • Was wäre die ideale Oberfläche für das Gemälde?
  • Würde ein einheitlicher Oberflächenglanz die Ästhetik des Gemäldes verbessern?
  • Muss das Gemälde an dem Ort, an dem es aufgehängt wird, vor Sonnenlicht geschützt werden?

TIPPS ZUR MENTALEN VORBEREITUNG

  • ZEITLICHE KOORDINIERUNG

Wenn man genügend Zeit für das Unternehmen einplant, können viele Nerven gespart werden. Bei Verwendung von lösemittelhaltigen Firnissen, plane ich so, dass ich den Raum nach dem Firnissen verlassen kann, auch wenn er gut belüftet ist. Ich stelle also sicher, dass ich nach dem Firnissen nichts mehr im Raum zu tun habe. Man sollte mindestens zwei Wochen bevor das Gemälde verpackt oder gehandhabt wird firnissen.

  • FIRNISWAHL

GOLDEN bietet zwei verschiedene Firnistypen in drei verschiedenen Glanzgraden an: Glanz, Seidenmatt und Matt. Einmal gibt es den lösemittelbasierten GOLDEN MSA-Firnis, zusammen mit dessen Aerosolversion, den Archival Firnis und der andere ist unser wasserbasierter Polymer Firnis. Alle Firnisse enthalten UVLS (Ultra Violet Light Stabilizers), die unterliegende Farbschichten vor dem Ausbleichen durch UV-Strahlung schützen. In der Regel sollten für Ölgemälde und Aquarelle MSA oder Archival Firnis verwendet werden, während für Acrylgemälde in der Regel alle drei Firnisse benutzt werden können. Auch die Textur spielt eine Rolle. Gemälde mit pastoser oder rauer Oberflächentextur, wie Bimssteingel z.B., sollten entweder mit dem Aerosol-Archival Firnis oder mit verdünntem MSA- oder Polymer Firnis mit einer Spritzpistole firnisst werden. Alle GOLDEN Firnisse können zu Konservierungszwecken entfernt werden. Für Acrylbilder wird eine Isolationsschicht empfohlen. Dies ist eine klare Acrylschicht, die als dauerhafte Barriere zwischen der Malschicht und dem Firnis fungiert und die Farben oder Pigmente während der Firnisabnahme schützt. Isolationsschichten gleichen auch Unterschiede in der Saugfähigkeit des Untergrunds aus, was für einen gleichmäßigeren Glanz in der nachfolgenden Firnisschicht sorgt- unabhängig davon, ob der Firnis glänzend, seidenmatt oder matt ist. Detaillierte Informationen finden Sie im Isolationsschicht Datenblatt.

TIPPS FÜR DIE PRAKTISCHE VORBEREITUNG

  • LÖSUNGSMITTELEMPFINDLICHKEIT TESTEN

Es ist wichtig festzustellen, ob die Malschichten empfindlich sind gegenüber dem Lösungsmittel, in dem der Firnis gelöst ist. Für Polymer Firnis wäre dies Wasser, während es für MSA Firnis unser MSA-Lösungsmittel wäre, bei dem es sich um Aromaten-haltiges Lösungsbenzin handelt. Für den Test befeuchten Sie die Spitze eines Wattestäbchens oder ein in Streifen gefaltetes Taschentuch mit destilliertem oder sauberem Leitungswasser oder MSA-Lösungsmittel, je nachdem, welchen Firnis Sie verwenden möchten. Rollen Sie es dann vorsichtig über die verschiedenen Farbbereiche des Gemäldes, und testen Sie es zunächst entlang der Bildkante (Bild 1). Überprüfen Sie das Wattestäbchen oder das Taschentuch auf Verfärbung. Wird kein Pigment entfernt, sind die Malschichten unempfindlich und es kann firnisst werden. Wenn Pigmente erst nach längerem Kontakt mit dem Lösungsmittel entfernt wurden, sollte der Firnisauftrag sowohl mit dem Pinsel als auch als Sprühauftrag möglich sein. Andernfalls ist möglicherweise nur das Sprühen möglich. Bei sehr empfindlichen Farbschichten, kann es zu Pigmententfernung oder in extremen Fällen sogar zum Verschmieren der Farbschichten beim Aufstreichen des Firnisses kommen.

Bild 1: Vor dem Firnissen wird die Farbschicht an der Bildkante auf Lösungsmittelempfindlichkeit getestet.

  • FARBVERÄNDERUNGEN

Firnisse verändern das Aussehen von Gemälden. Glänzende Firnisse sättigen Farben und verschieben deren Farbwerte leicht. Eine gute Möglichkeit, sich mental darauf vorzubereiten, besteht darin, das gesamte oder einen Teil des Gemäldes mit einem sauberen weichen Pinsel und geruchlosem Testbenzin (bei Ölgemälden) oder Wasser (bei Acrylmalereien) zu bestreichen, vorausgesetzt, der Lösungsmittelempfindlichkeitstest ergab keine Pigmententfernung. Das Lösungsmittel verdunstet innerhalb weniger Minuten, aber während das Gemälde nass ist, zeigt es ziemlich genau, wie das Gemälde mit einem Glanzfirnis aussehen würde (Bild 2). Die Mattierungsmittel in einem matten Firnis bewirken andererseits eine andere Farbveränderung. Dunkle Farben erscheinen heller und die Farben können insgesamt ein klein bisschen milchig erscheinen. Das Bestreichen eines kleinen Gemäldes mit Lösungsmittel oder Wasser kann eine Option für Künstler sein, die ein Foto von ihrer Arbeit machen müssen, aber vorher keine Zeit zum Firnissen haben. Oder vielleicht möchten sie weiter malen und brauchen nur ein schnelles Gefühl dafür, wie die Farben mit einem Glanzfirnis aussehen würden.

Bild 2: Wasser wird mit einem weichen Pinsel auf ein Acrylbild aufgetragen, wodurch sich dunkle Farben vertiefen und die Farbsättigung sich erhöht, ähnlich wie bei einem Glanzfirnis.

  • TROCKENREINIGUNG

Das Abstauben mit einem sauberen, weichen Pinsel oder einem weichen, fusselfreien Tuch, scheint vor dem Firnissen eine naheliegende Sache zu sein, aber in der Aufregung, die den Job zu erledigen, kann es schnell vergessen werden. Auf diese Weise werden keine unerwünschten Staubpartikel, Haare usw. im Firnis oder in der Isolationsschicht mit eingebettet.

  • BACKING BOARD

Malereien auf gespannter Leinwand, die beim Firnissen flach aufliegen, beispielsweise auf einem Tisch, sollten mit einer festen Unterlage hinterlegt werden. Dazu können Schaumstoffplatten oder feste Pappe benutzt werden. Dies ist besonders wichtig für Bilder, deren Keilrahmen eine Querleiste haben. Die Unterlage sollte vorsichtig zwischen die Querleiste und die Leinwand geschoben werden. Dies hilft zu vermeiden, dass sich nasser Firnis zur Mitte hin ansammelt.

  • TROCKENÜBUNG & TESTSTÜCK

Dies mag so manchem peinlich sein, Trockenübungen helfen aber dabei, Nervosität und Pannen zu reduzieren. Nachdem man alle offensichtlichen Werkzeuge zusammengetragen hat und es scheint, dass alles einsatzbereit ist, ist der trockene Probelauf dran. Man tut so, als würde man den Pinsel in  die Schale mit dem Firnis tauchen, ihn dann vielleicht auf einem fusselfreiem Taschentuch abtupfen und so tun, als würde man jetzt den Firnis auf das Gemälde auftragen. Dies hilft, ein wenig Muskelgedächtnis aufzubauen und bereitet mental vor. Vielleicht bemerkt man jetzt, dass noch besseres Licht, eine Pinzette oder einen Hocker benötigt wird, weil man z.B. nicht bequem und kontrolliert bis an die Kante eines sehr hohen Gemäldes gelangen könnte.

TIPPS FÜR DEN FIRNISAUFTRAG

  • PINSELAUFTRAG

Bild 3: Kennzeichnung der Pinsel: 1: Breitpinsel aus Kunsthaar 2: Borsten Breitpinsel 3: Japanischer Bambupinsel 4: zwei verschiedene Schuhbürsten aus Pferdehaar 5: Babybürste aus Ziegenhaar

 

Die gebräuchlichsten Firnispinsel sind breit und flach. Wenn man eine gleichmäßige und relativ dicke Firnisschicht anstrebt, ist das die beste Wahl. Wasserbasierte Firnisse, wie der Polymerfirnis mit UVLS, lassen sich am besten mit weichen Breitpinseln auftragen (Nr. 1 in Bild 3). Dies wäre auch der beste Pinsel zum Auftragen der Isolationsschicht. Der lösemittelbasierte MSA Firnis nivelliert besser und kann mit Borstenpinseln (Nr. 2) aufgetragen werden.

Es gibt jedoch noch viele weitere Werkzeuge, mit denen sich subtile und individuelle Oberflächen erzielen lassen.

Ein dünner Firnisauftrag kann erreicht werden, indem der Firnis mit einem kurzhaarigen, weichen Pinsel, wie dem japanischen Bambuspinsel (Nr. 3), ein Aquarell-Mop-Pinsel oder einem Pastellpinsel, aufgetragen wird. Diese Technik eignet sich für Bilder mit pastosen Farbschichten. Die Firnisschicht reduziert kaum die Textur von Pinselstrichen, aber die Farben werden gesättigt. Beim Auftragen kann man mit dem Pinsel kleine Kreisbewegungen machen oder der Pinselstrichrichtung in der Malerei  folgen (Bild 4). Es ist sinnvoll, den Formen der Komposition im Bild zu folgen, damit Unebenheiten im Glanz nicht auffallen. Der Pinsel sollte nur mit sehr wenig Firnis beladen werden, um die Firnisschicht dünn zu halten. Wenn ein glänzender Firnis auf diese Weise aufgetragen wird, ist der Glanz „diskret“, fast seidenmatt. Da der MSA Firnis einen hervorragenden UV-Schutz aufweist, bietet auch eine dünne Schicht erheblichen UV-Schutz.

Bild 4: Eine dünne Schicht MSA Firnis mit UVLS wird mit einem weichen Bambuspinsel aus Hirschhaar aufgetragen. Während des Auftrags wird den Formen der Bildkomposition und Richtung der Pinselstriche gefolgt.

Da der MSA Firnis mit UVLS so langsam trocknet, kann der noch feuchte Firnis mit einer Schuhbürste (Nr. 4a / 4b), einer Babybürste (Nr. 5), einem Dachsvertreiber oder einem fusselfreies Tuch abgetupft/angeraut werden (Bild 5). Dies verringert die Dicke und den Glanz einer Firnisschicht.

Bild 5: eine Schuhbürste aus Pferdehaar wird benutzt um den glänzenden MSA Firnis anzurauen.

 

Bild 6: Matter MSA Firnis wird mit einem Fön erwärmt und mit einer weichen Babybürste poliert, um ein leicht glänzenderen Firnis zu erzeugen.

Es ist auch möglich, nur bestimmte Bereiche zu polieren, um einen etwas unterschiedlichen Glanz zu erzielen. Durch Erwärmen des MSA Firnisses mit einem Fön und anschließendes Polieren kann sogar ein getrockneter Firnis verändert werden (Bild 6). Glänzender MSA Firnis kann etwas matter und matter oder seidenmatter MSA Firnis etwas glänzender gemacht werden (Bild 7). Bei Verwendung von Schuhbürsten empfiehlt es sich, Rosshaar mit gespaltenen Haarenden zu verwenden, da sonst die Borsten zu steif sein und den Firnis zu stark zerkratzen könnten.

Bild 7: MSA Firnis Glanz (links) und Matt (rechts) nach Erwärmung mit Fön und leichtem Abreiben mit einer Ziegenhaar- Babybürste, jeweils in der oberen Hälfte.

Manchmal ist es möglich selbst Gemälde mit empfindlichen Oberflächen mit einem mit Seide umhüllten Wattebausch zu firnissen (Bild 8). Seidenfasern sind lösungsmittelbeständig und der Stoff ist sehr weich. Der Bausch wird in Firnis getaucht und gleitet dann sanft über die Oberfläche. Wenn weiße Seide verwendet wird, kann man sofort feststellen, wenn Pigment aufgrund des Lösungsmittels im Firnis abgenommen wird.

Bild 8: MSA Firnis wird mit einem mit Seite umhüllten Wattebausch aufgebracht.

Bei großen Gemälden kann es schwierig sein, den Firnis erfolgreich mit dem Pinsel aufzubringen. Wenn die Mitte des Gemäldes nicht bequem erreicht werden kann, muss es in vertikaler Position firnisst werden. Es kann hilfreich sein den Formen in der Malerei zu verfolgen. Wenn dies keine Option ist, sollte man von einem Ende zum anderen firnissen, während man eine nasse Kante bewahrt. Es kann sehr hilfreich sein, wenn eine zweite Person hilft.

TIPPS ZUM TROCKNEN

Die Trocknungszeiten der Firnisse variieren je nach Saugfähigkeit der Farb-, Grundierungsschicjten und des Bildträgers. Zum Beispiel könnten Bilder auf Malplatten weniger Firnis absorbieren und daher langsamer trocknen. In jedem Fall ist zu vermeiden, dass Staub auf die frische Firnisschicht gelangt. Dafür kann es helfen Luftströme zu reduzieren.

Kleine Bilder können zum Trocknen in/unter Kartons mit Luftlöchern plaziert werden (Bild 9). Offene Kartons sollten mit einem Deckel abgedeckt werden, um das Bild vor Staub zu schützen. Große Bilder können an eine Wand gelehnt werden, sobald der Firnis angetrocknet ist (Bild 11). Die Bildseite mit dem frischen Firnis sollte zur Wand zeigen, um Staubansammlung zu verringern. Es kann auch eine Option sein, das Gemälde auf einer schrägen Staffelei zu platzieren, wobei das Gemälde zur Staffelei zeigt (Bild 10).

Bild 9 (links): Ein kleines Gemälde wird nach dem Firnissen in einen Karton mit Löchern gelegt. Bild 10 (Mitte): Ein gefirnisstes Gemälde wird zum Durchtrocknen auf einer schrägen Staffelei platziert, wobei die Vorderseite des Gemäldes zur Staffelei zeigt. Bild 11 (rechts): Ein großes Gemälde wird zum Trocknen mit dem Gesicht nach unten an eine Wand gelehnt.

SCHLUSSWORT

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Firnis aufzutragen und nuancierte Glanzunterschiede zu erzeugen. Das Wichtigste ist wahrscheinlich, genügend Zeit zu lassen und an einem Probestück zu üben. Es kann sehr nützlich sein, beim Malen eine vereinfachte Miniatur zu erstellen aus Farbresten. Ein solches Stück kann zum Testen der Lösemittelempfindlichkeit und für Firnistests verwendet werden (Bild 12).

Bild 12: Eine Restebild, das aus den gleichen Farben wie die Malerei besteht, kann für Firnistests verwendet werden.

Für mehr Informationen wenden Sie sich bitte an unsere Material und Anwendungsspezialisten (euhelp@goldenpaints.com).

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