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Das Rollen von Acrylgemälden für Transport oder Lagerung

Acrylgemälde für Lagerung und Transport zu rollen, ist eine ziemlich gängige Praxis, und viele Künstler haben vermutlich bereits eigene Gemälde mit einigem Erfolg zusammen-, auseinander- und wieder zusammengerollt. Wir wissen zwar, dass es möglich ist, würden es aber dennoch nicht unbedingt empfehlen. Es gibt dabei definitiv Risiken, derer man sich bewusst sein muss, wie Abdrücke und Glanzveränderungen der Oberfläche, das Anhaften von Trennmaterialien und manchmal auch Rissbildung, wenn das Gemälde bei kalten Temperaturen bewegt wird. Bei einigen Materialien, wie Papier oder Blisterfolie, können auch Stücke an der Oberfläche kleben bleiben, was zu einem größeren Restaurierungsprojekt führt, wobei das Kunstwerk möglicherweise nie mehr in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden kann. Der erste Teil dieses Artikels beschäftigt sich eingehender mit diesen Problemen und zeigt Beispiele für die Art von Schäden, die beim Rollen von Acrylgemälden unter Verwendung einiger typischer Trennmaterialien auftreten können. Im zweiten Teil erklären wir Ihnen, was Sie tun können, wenn Sie Ihr Gemälde dennoch aus irgendeinem Grund rollen und transportieren müssen.

Tests

Wir haben 7 Stücke Leinwand mit 1:2-Mischungen von Fluid Carbon Black und Regular Gel in den Glanzstufen Gloss, Semi-Gloss und Matte getestet. Diese Mischungen aus 2 Teilen Gel und 1 Teil Farbe wurden mit einem Spachtelmesser auf drei Bereiche auf jeder Leinwand so aufgetragen, dass sowohl glatte als auch strukturierte Oberflächen entstanden, und eine Woche lang trocknen gelassen. Die 10“ x 15“ (etwa 25,5 x 38 cm) großen Leinwandstücke wurden dann mit der bemalten Seite nach außen auf Papprollen mit 2“ (ca. 5,1 cm) Durchmesser aufgerollt, und zwar mit folgenden Trennmaterialien:

  1. Ohne Trennmaterial
  2. Polyethylen-Kunststoff
  3. Dartek-Folie (Nylon)
  4. Silikon-Trennpapier
  5. White Kraft Paper
  6. Seidenpapier
  7. Pergamin

Außerdem testeten wir ein Stück mit glänzender Acryloberfläche, das in Blisterfolie gewickelt und so für mehrere Wochen bei unterschiedlichen Temperaturen aufbewahrt wurde. Der Schaden an der Oberfläche ist auf folgendem Foto sehr gut zu erkennen:

 

Abdrücke von Blisterfolie auf einer glänzenden Acryloberfläche.

Temperatur

Schichten von Acrylfarbe und -medien in Künstlerqualität sind allgemein ziemlich flexibel und können daher bei wärmeren Temperaturen leicht gerollt werden, doch diese natürliche thermoplastische Eigenschaft von Acryl ermöglicht auch einen ständigen Wechsel über die gesamte Lebensdauer, von sehr weich und flexibel bei wärmeren Temperaturen zu einem härteren und potenziell brüchigen Zustand bei sehr kalten Temperaturen und zurück. Diese wechselnden Eigenschaften können zu Problemen führen, wenn die bemalte Oberfläche für längere Zeit in engen Kontakt mit einer anderen Oberfläche gelangt oder wenn sie bei kalten Temperaturen plötzlich gebogen oder erschüttert wird.

Flexibilität einer Acrylhaut bei Raumtemperatur oder darüber.

Ergebnis einer plötzlichen Erschütterung einer Acrylhaut, die gerade eben aus dem Gefrierfach genommen wurde.

Rissbildung durch plötzliches Biegen eines kalten Acrylgemäldes.

Trennmaterialien

Glänzende Acrylgemälde sind sehr viel anfälliger für Abdrücke und Oberflächenveränderungen, selbst bei Verwendung nicht haftender Materialien wie Folien aus Polyethylen-Kunststoff oder Silikon-Trennpapier. Mit genügend Druck, Wärme und Zeit kann es immer noch zu einem Aneinanderhaften und zu Glanzveränderungen kommen. Polyethylenfolien können abgezogen werden, ihre Falten und sogar die Mikrostruktur der Oberfläche können dennoch eine bleibende Veränderung hinterlassen. Wir haben sogar erlebt, dass Silikon-Trennpapier nach Wochen des Drucks und warmer Temperaturen an Acrylschichten haftet.

Matte Oberflächen sind weniger anfällig für ein Anhaften, dickere Schichten können dennoch komprimiert und eingedrückt werden. Eine matte Acrylfarbe kann außerdem Glanz annehmen, wenn sie glattgewalzt oder gegen ein sehr glattes Material gedrückt wird, während eine glänzende Acrylfarbe matt werden kann, wenn sie gegen eine strukturierte Oberfläche gedrückt wird. Lasuren und sehr dünn bemalte matte Oberflächen können häufig mit viel geringerem Risiko gerollt und wieder ausgerollt werden, und für gewöhnlich auch ohne merkliche Schäden, da die Farbe so sehr in die Leinwand oder die Grundierung eingedrungen ist.

Die folgenden Bilder zeigen die wesentlichsten Schäden auf. Polyethylen-Kunststoff, Dartek-Folie oder Silikon-Trennpapier konnten ohne Risse entfernt werden, aber auf einigen Oberflächen kam es dennoch zu Veränderungen, insbesondere in erhabenen oder strukturierten Bereichen. Das Rollen ohne Trennmaterial verursachte keine Katastrophe, doch die Leinwandstruktur hinterließ Abdrücke in erhabenen Bereichen und an einigen Stellen blieben sogar Leinwandfasern haften. Beim Rollen mit der bemalten Seite zur Papprolle hin blieben in glänzenden erhabenen Bereichen Pappfasern haften. Wie erwartet scheint relativ dünn aufgetragene Farbe, besonders mit geringerem Glanz, sich erfolgreich mit nur minimalen sichtbaren Oberflächenveränderungen rollen zu lassen, wir raten dennoch zur Vorsicht, da unserer Ansicht nach immer ein Risiko bestehen kann.

Glänzende Acryloberflächen wurden in erhabenen Bereichen matt (Silikon-Trennpapier)

Eine matte Acryloberfläche wurde in erhabenen Bereichen glänzend (Dartek).

White Kraft Paper riss und blieb an der Oberfläche kleben.

Pergamin riss und blieb in einigen Bereichen kleben.

Seidenpapier riss und blieb an der Oberfläche kleben.

Gemälde, die ohne Trennmaterial gerollt werden, tendieren dazu, Abdrücke von der Leinwandstruktur anzunehmen, die direkt gegen die Oberfläche gedrückt wird, wodurch glänzende Oberflächen matt werden und gelegentlich Leinwandfasern am Acryl kleben bleiben. Insbesondere glänzendere Farben können an den meisten Oberflächen kleben bleiben und das Material hinterlässt, auch wenn es abgezogen werden kann, bis zu einem gewissen Grad Oberflächenveränderungen. Wenn man also einfach ein Material verwendet, das nicht an einer relativ weichen und klebrigen Acrylschicht haften bleibt, ist der Erfolg noch lange nicht garantiert. Es ist besser, als hunderte kleiner Teilchen von Blisterfolie oder Seidenpapier von der Oberfläche Ihres Gemäldes zu zupfen, doch das Ergebnis ist immer noch ein dauerhaft beschädigtes Kunstwerk.

Empfehlungen                           

Um zu gewährleisten, dass ein Gemälde einen Transport oder eine Lagerung ohne Veränderungen der Oberfläche und des Erscheinungsbilds übersteht, kann man nur dafür zu sorgen, dass die bemalte Oberfläche durch nichts berührt wird und dass weder vorne noch hinten Druck auf sie ausgeübt wird. Dies ist nach wie vor unsere beste Empfehlung und etwas, das wir in diesem Just Paint-Artikel näher beschrieben haben:

 Safe Handling and Transportation of Acrylic Paintings

Weil dies jedoch nicht immer möglich ist, wollten wir zumindest eine potenzielle Möglichkeit anbieten, Gemälde zu rollen, die dazu beitragen sollte, einige der Risiken zu mindern, wenn sie auch nicht vollständig beseitigt werden können. Bitte beachten Sie, dass die folgende Methode davon ausgeht, dass das Rollen, das Ausrollen und der Transport in einem kontrollierten Klima erfolgen. Wie zuvor bereits gezeigt, können Acrylfarben bei kälteren Temperaturen ziemlich spröde werden und beim Biegen, bei Erschütterungen oder plötzlichem Falten reißen. Wie bei allen gerollten Gemälden funktioniert dies mit einem relativ dünn bemalten Stück mit seidenmatter oder matter Oberfläche am besten.  Je stärker das Gemälde glänzt und je dicker die Strukturen sind, desto größer ist die Gefahr einer Beschädigung.

Eine Verpackungsmethode für den Transport eines gerollten Acrylgemäldes

Materialien:

  1. Maßgeschneiderte Kiste mit doppelten Wänden
  2. Silikon-Trennpapier
  3. Weiße Schaumstoffrolle aus 1/16 Polyschaum
  4. Dünnwandige Röhre mit 10“ (ca. 25 cm) Durchmesser, 4“ (ca. 10 cm) länger als das Gemälde breit ist (Sonotubes eignen sich gut)
  5. Abdeckband
  6. ½” (ca. 1,3 cm) fester Isolierschaum zum Auskleiden der Kiste und Formen eines „Donut“ an jedem Ende.

Methode:

  1. Wickeln Sie die 10“ lange Röhre in eine dünne Schaumstoff-Verpackungsfolie. Der Schaumstoff kann spiralförmig auf das Rohr gewickelt werden. Lassen Sie an beiden Enden der Röhre 2“ (ca. 5 cm) frei. Die Röhre muss in die Aussparungen an beiden Enden der Kiste passen.
  2. Das Gemälde wird mit der bemalten Seite nach unten auf das Silikon-Trennpapier gelegt. Die dünne Schaumstofffolie wird daraufgelegt und soll die Rückseite des Gemäldes vollständig bedecken. Die Schaumstofffolie kann mit Abdeckband gesäumt werden, die Seite mit dem Saum/Abdeckband darf aber die Leinwand nicht berühren.
  3. Das Gemälde wird auf die bereits gepolsterte Röhre gerollt und an den Kanten mit Abdeckband gesichert.
  4. Das gerollte Gemälde wird mit Kunststofffolie bedeckt, der Kunststoff darf jedoch keine Oberfläche der Leinwand berühren. Sie wird mit Abdeckband an der Röhre befestigt, damit sie nicht verrutscht.
  5. Die vorgeschnittenen „Donuts“ werden auf die Enden der Röhre gesetzt. Mit Abdeckband sichern. Das Ganze wird so in der Kiste platziert, dass die Röhre frei hängt. Um die Röhre herum sollten 3–4“ (7,5–10 cm) Abstand zu den Seitenwänden der Kiste sein. Nichts außer dem Silikon-Trennpapier berührt das Kunstwerk.

Das Kunstwerk hängt in der Kiste, wobei nur sehr wenig Druck auf die bemalte Oberfläche ausgeübt wird.

10“-Röhre, in Schaumstoff gewickelt, bereit für das Gemälde. ©Kate Petley

Sonotube mit 10“ Durchmesser, mit Schaumstoff-„Halterungen“ an beiden Enden. ©Kate Petley

 

Schaumstoff-„Halterung“ mit Auspackanweisungen. ©Kate Petley

Das gerollte und eingewickelte Gemälde in der Kiste. ©Kate Petley

Wir danken der Künstlerin Kate Petley, die so freundlich und großzügig war, uns die Verwendung einiger ihrer Fotos, Ideen und Methoden für die Verpackung gerollter Acrylgemälde zu gestatten.

Wenn Sie Fragen haben, können Sie diese wie üblich in den Kommentaren stellen oder uns eine E-Mail an EUhelp@goldenpaints.com senden.

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  1. Ungerahmte Gemälde mit Kartonecken und Schienen Verpacken und Transportieren | Just Paint - November 20, 2019

    […] seine Struktur in die Acrylfarbenoberfläche einprägt. Diese Art von Schaden ist im JP-Artikel Das Rollen von Acrylgemälden für Transport oder Lagerung gut […]

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